#1 Wenden

Ausgabe Herbst 2009: Wenden

FROH! nimmt den 9. November zum Anlass, um von Menschen zu erzählen, bei denen sich alles gewendet hat. Und von Orten, an denen das Wunder passiert und die Geschichte neu geschrieben wird … Die Arbeit an Wenden hat unser Redaktionsteam die letzten 5 Monate beschäftigt. Wir sind in jeder Hinsicht „froh“, dass wir auf die Unterstützung hochkarätiger Autorinnen und Autoren bzw. Gestalterinnen und Gestalter bauen konnten. Herausgekommen ist … > weiter lesen

… eine sehr vielschichtige Ausgabe, die ihre Themen dreht und wendet.
Markus Lägel und Simone Rüth waren für uns auf der Suche nach Wende-Orten und haben dabei zwei sehr unterschiedliche Entdeckungen gemacht: Heuersdorf, das inzwischen hinter Flatterbändern und Polizeisperren verschwunden ist, weil die Region die Braunkohle braucht, ist vielleicht das verstörendste Beispiel: Ein Geisterort, der die Erinnerung an das Leben noch in sich trägt. Die Geschichte von 99998 Volkenroda (Simone Rüth), dem Ort mit Deutschlands letzter Postleitzahl, zeigt hingegen, dass sich immer noch etwas wenden kann.

Im Zentrum unserer Ausgabe steht aber der Mensch, der ewige Wendehals unter den Lebensformen. Unser Autor Jens Toennesmann hat seinen Gesprächspartnern die einfache Aufgabe gestellt, eine Lebenslinie zu zeichnen, die alle Wendepunkte des eigenen Lebens aufgreift und visualisiert.

Ähnlich systematisch sind Peter Bongard und Markus Kuhlen vorgegangen, die mit Menschen gesprochen haben, deren Leben eine drastische Wende erfahren hat. Ihre Gesichter, die in beeindruckenden Schwarz-Weiß-Fotos festgehalten sind, erzählen diese Lebenserinnerungen noch mal aufs Neue.

Einige Highlights dieser Ausgabe:

„Sei Du selbst“: Was hat Jürgen aus dem Big-Brother-Container mit dem Mönch eines Franziskaner-Ordens gemeinsam? Was verbindet einen Geschäftsmann, der nach einem Millionenverlust wieder bei Null beginnt, mit einem, der aus seiner Firma aussteigen muss, weil er gesundheitlich am Ende ist? Wir erzählen vier Geschichten von Menschen, in deren Leben sich alles geändert hat. Und die doch sie selbst geblieben sind. Irgendwie.

„Montag mit Igel“: Fritzi malt auf ein Plakat: Ein Land ohne Mauer – da ist keiner sauer! Fritzi ist neun und darf leider nicht mit auf die Demo: für Kinder ist es zu gefährlich, finden die Erwachsenen. Aber Fritzi ist hartnäckig … FROH! präsentiert einen Auszug aus Hanna Schotts Roman „Fritzi war dabei“

„Das Wunder der Wende“: Die Montagsgebete sind der Beginn der friedlichen Revolution von 1989: Mit einem Mal sind es tausende Menschen, die sich über das Demonstrationsverbot hinwegsetzen. Sie tragen ihre Hoffnung als ein Meer von Kerzen durch die Stadt. Pfarrer Christian Führer hat uns sein Manuskript zum Montagsgebet vom 30. Oktober 1989 zur Verfügung gestellt.

Beitragende dieser Ausgabe

Herzlichen Dank an alle, die an dieser Ausgabe mitgearbeitet haben! Die Beitragenden schenken dem Magazin nicht nur ihre Texte und Bilder, sondern den Lesern auch neue und überraschende Blickwinkel.

Clara Anders Illustration www.anders-gestalten.de
Michael Basseler Text
Florian Blaschke Text www.trotzendorff.de
Peter Bongard Text, Photographie
Jeanette Corneille Illustration www.jcorneille.de
Bernd Cramer Photographie www.bernd-cramer.de
Magdalena Dostal Illustration www.magdalenadostal.com
Patricia Dudeck Text, Recherche
Ulrike Flämig Text, Recherche
Michael Gibis Illustration www.michaelgibis.com
Friederike Gralle Text
Ulrike Hippe Recherche
Jon Adrie Hoekstra Photographie www.jonadriehoekstra.com
Dorit Hoffmeister Photographie
Markus Kuhlen Text
Markus Lägel Text
Matthias Lemme Text
Markus Meske Text
Franca Neuburg Illustration www.zenzi–design.com
Bini Pranz Text
Gerda Raidt Illustration www.gerda-raidt.de
Anett Reiche Illustration
Norbert Roth Text
Simone Rüth Text
Oliver Schneider Text www.royalfamily-designlabor.de
Hanna Schott Text www.hanna-schott.de
Jens Toennesmann Text
Samuel Waldeck Photographie
Ruth Weinhold Text
Emily Weiss Illustration www.emilymade.wordpress.com
Hendrik Wünsche Infografiken www.designwuensche.de

Unterstützes Projekt

FROH! stellt mit jeder Ausgabe ein gemeinnütziges Projekt vor, das sich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Menschen einsetzt und gesellschaftliche Alternativen entwickelt. anorak21 sind Raumpioniere in Nordhessen. Ihre Arbeit mit Jugendlichen ist für Viele der wichtigste Anlaufpunkt. Mehr Infos unter www.anorak21.de.
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Pascal Bewernick über anorak21:
„Vor zehn Jahren haben wir anorak21 gegründet. Mitten in Nordhessen, wo es sonst kaum Angebote für Jugendliche gibt. Zusammen mit den Dorfkids haben wir in einem Pferdestall begonnen Partys und Konzerte zu organisieren. Wir haben mit ihnen eine Miniramp und einen Streetballplatz gebaut, Filme gedreht und ein kleines Fanzine rausgebracht.

Mittlerweile sind wir ein eigenständiger Verein und aktiver Teil der Jugendhilfelandschaft unseres Landkreises. Neben unserer Offenen Jugendarbeit, zu der wöchentlich zwischen 25–40 Kids kommen, veranstalten wir mit Jugendlichen Konzerte und supporten Nachwuchsbands aus unserer Region. Wir haben einen Bandproberaum und nehmen Jugendliche, die ein neues Zuhause brauchen, bei uns auf. Manche entdecken, wie viel Potential und Schönheit in ihnen liegt, weil andere an sie glauben. Sie wagen sich, ihr Leben zu entdecken. Ein Herzstück unserer Arbeit ist das Leben als Gemeinschaft.

Zurzeit leben wir hier mit vier Familien, zwei Singles und zwei Jugendlichen, die wir betreuen, in unseren Häusern. Bei unseren gemeinsamen Mahlzeiten ist immer genug Platz, dass sich der Postbote oder die Jugendlichen aus unserem Dorf mit an unseren Tisch setzen. Als Lebensgemeinschaft teilen wir unsere Freude, unseren Zorn, unsere Trauer und wenn es erforderlich ist, auch unseren Geldbeutel.“

Über Froh

FROH! ist ein Gesellschaftsmagazin, das besondere Ereignisse des Jahres aufgreift und sich neugierig auf die Fragen und Themen hinter diesen Anlässen einlässt. Die Beitragenden schenken dem Magazin nicht nur ihre Texte und Bilder, sondern den Lesern auch neue und überraschende Blickwinkel. Durch die sorgfältige Komposition von Beiträgen aus Kultur, Gesellschaft, Spiritualität und nachhaltigen Lebenskonzepten entsteht ein hochwertig gestaltetes Magazin, das nicht nur FROH! heißt, sondern auch froh macht. > mehr erfahren